Über Stärke, Festigkeit und Ruhe stritten sich ein Schilfrohr und ein Ölbaum. Das Rohr, welches von dem Ölbaum darob getadelt ward, daß es aller Stärke entbehre und leicht von allen Winden hin und her bewegt werde, schwieg und sagte kein Wort. Nach einer kleinen Weile erhob sich ein heftiger Sturm; das hin und her geschüttelte Rohr hatte den Windstößen nachgegeben und blieb unbeschädigt, der Ölbaum dagegen, welcher sich den Winden entgegengestemmt hatte, wurde durch deren Gewalt gebrochen.
Das Schilfrohr und der Ölbaum von Aesop

Land: Griechische
Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.
Genre: Fabeln
Sammlung: Aesopische Fabeln
In der Fabel »Das Schilfrohr und der Ölbaum« von Äsop streiten ein Schilfrohr und ein Ölbaum darüber, wer stärker und standhafter ist. Während der Ölbaum stolz auf seine Festigkeit ist, wird das Schilfrohr vom Wind hin und her gebogen. Als jedoch ein heftiger Sturm aufkommt, gibt das Rohr den Windstößen nach und bleibt unversehrt, während der starre Ölbaum zerbricht. Die Fabel zeigt, dass Nachgiebigkeit und Anpassungsfähigkeit manchmal stärker sind als Stolz und Härte. Äsop macht deutlich, dass zu viel Starrsinn oft zum eigenen Untergang führen kann.
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