Der Hirsch von Aesop

Buchumschlag von Der Hirsch von Aesop
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Land: Griechische

Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.

Genre: Fabeln

Sammlung: Aesopische Fabeln

In der Fabel »Der Hirsch« von Äsop versucht ein einäugiger Hirsch, sich vor Gefahren zu schützen, indem er sein gesundes Auge stets dem Land zuwendet. Da er vom Meer keine Bedrohung erwartet, bemerkt er ein vorbeifahrendes Schiff nicht. Die Schiffer entdecken ihn, schießen auf ihn und töten ihn mit einem Pfeil. Sterbend erkennt der Hirsch seinen Irrtum, weil die Gefahr aus einer Richtung kam, die er für sicher gehalten hatte. Die Fabel zeigt, dass übertriebene Vorsicht gegenüber einer Gefahr leicht dazu führen kann, andere Risiken zu übersehen.

Ein einäugiger Hirsch weidete gewöhnlich auf Wiesen neben dem Meer, und zwar so, daß er immer das gesunde Auge landwärts hielt und wähnte, von der Seeseite her habe er keine Gefahr zu fürchten. Das Schicksal hatte es anders beschlossen.

Eines Tages segelte ein Schiff bei ihm vorbei, und da sein gesundes Auge dem Lande zugekehrt war, so bemerkte er es nicht und weidete nichts ahnend fort.

Kaum hatten die Schiffer aber die köstliche Beute erblickt, als sie auch schon Pfeile nach ihm abschossen. Ein Pfeil traf ihn gerade ins Herz, und zusammenstürzend rief er aus: »Wie sehr habe ich mich getäuscht, daß ich nur vom Lande her Gefahr erwartete.«

Nur zu oft weicht man vorsorglich einer Gefahr aus und gerät dabei unvorsichtig in eine andere.