Der Hirt und der Wolf von Aesop

Buchumschlag von Der Hirt und der Wolf von Aesop
1
1 Min. Lesezeit

Land: Griechische

Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.

Genre: Fabeln

Sammlung: Aesopische Fabeln

In der Fabel »Der Hirt und der Wolf« von Äsop zieht ein Hirte einen jungen Wolf gemeinsam mit seinen Hunden auf und hofft, ihn zu einem treuen Helfer zu machen. Obwohl der Wolf äußerlich angepasst erscheint, folgt er seiner Natur und beteiligt sich heimlich an der Jagd auf Schafe. Schließlich beginnt er sogar selbst, die Herde zu schädigen. Als der Hirte die Wahrheit entdeckt, bestraft er den Wolf für seinen Verrat. Die Fabel zeigt, dass angeborene schlechte Eigenschaften nur schwer zu überwinden sind und sich wahre Natur oft früher oder später offenbart.

Ein Hirte, der einen erst kurz geworfenen jungen Wolf gefunden hatte, nahm ihn mit sich und zog ihn mit seinen Hunden auf. Als derselbe herangewachsen war, verfolgte er, sooft ein Wolf ein Schaf raubte, diesen auch zugleich mit den Hunden. Da aber die Hunde den Wolf zuweilen nicht einholen konnten und deshalb wieder umkehrten, so verfolgte ihn jener allein und nahm, wenn er ihn erreicht hatte, als Wolf ebenfalls teil an der Beute; hierauf kehrte er zurück. Wenn jedoch kein fremder Wolf ein Schaf raubte, so brachte er selbst heimlich eines um und verzehrte es gemeinschaftlich mit den Hunden, bis der Hirte, nach langem Hin- und Herraten das Geschehene inneward, ihn an einen Baum aufhängte und tötete.

Die Fabel lehrt, daß die schlimme Natur keine gute Gemütsart aufkommen läßt.