Der Löwe und der Bär von Aesop

Buchumschlag von Der Löwe und der Bär von Aesop
1
1 Min. Lesezeit

Land: Griechische

Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.

Genre: Fabeln

Sammlung: Aesopische Fabeln

In der Fabel »Der Löwe und der Bär« von Äsop streiten ein Löwe und ein Bär heftig um ein Hirschkalb, weil jeder die Beute für sich beansprucht. Beide kämpfen so verbissen miteinander, dass sie am Ende völlig erschöpft zusammenbrechen. Ein schlauer Fuchs beobachtet den Streit geduldig und nutzt die Gelegenheit, um sich die Beute selbst zu holen. Die Fabel zeigt, dass Streit und Gier oft nur denjenigen schaden, die sich daran beteiligen. Äsop macht deutlich, dass kluge Beobachter häufig von den Fehlern anderer profitieren.

Ein Fuchs war einmal auf Jagd gegangen, einen guten Bissen zu erbeuten. Er war noch nicht lange unterwegs, als er ein lautes Streiten vernahm.

Ein Bär schlug mit seinen Tatzen nach einem Löwen und fauchte ihn wütend an: »Ich war der erste beim Hirschkalb. Die Beute gehört mir, ich habe sie gefangen.«

»Nein!« brüllte der Löwe zornig zurück. »Du lügst! Ich war als erster hier, und darum gehört die Beute mir.« Er wehrte sich kräftig und schnappte mit seinen scharfen Zähnen nach dem Fell des Bären.

Der Löwe und der Bär kämpften verbissen miteinander. Dem Fuchs erschien der Kampf endlos, denn nicht weit von ihm entfernt lag die Streitbeute, und er mußte sich zusammenreißen, daß er sich nicht gleich auf das Hirschkalb stürzte. Aber er war klug und sagte sich: »Sind die Streitenden erst erschöpft, so können sie mir nichts mehr anhaben.«

Als der Bär und der Löwe nach unerbittlichem Kampf endlich kraftlos zusammenbrachen, waren sie tatsächlich nicht mehr fähig, sich zu rühren. Der Fuchs schritt an ihnen vorbei und holte sich die Beute. Er verneigte sich höflich und sagte: »Danke, meine Herren, sehr freundlich, wirklich sehr freundlich!« Lachend zog er mit dem Hirschkalb ab.