Der Löwe und die Mücke von Aesop

Buchumschlag von Der Löwe und die Mücke von Aesop
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Land: Griechische

Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.

Genre: Fabeln

Sammlung: Aesopische Fabeln

In der Fabel »Der Löwe und die Mücke« von Äsop fordert eine überhebliche Mücke einen mächtigen Löwen zum Kampf heraus und schafft es tatsächlich, ihn mit ihren Stichen zur Verzweiflung zu bringen. Stolz auf ihren unerwarteten Sieg fliegt sie davon und rühmt sich ihrer Stärke. Doch kurz darauf verfängt sie sich im Netz einer Spinne und wird von ihr getötet. Sterbend erkennt die Mücke, wie wenig ihr Triumph letztlich wert war. Die Fabel zeigt, dass Hochmut und Selbstüberschätzung oft zu Fall führen und selbst die Größten oder Erfolgreichsten nicht unverwundbar sind.

Eine Mücke forderte mit den übermütigsten Worten einen Löwen zum Zweikampf heraus: »Ich fürchte dich nicht, du großes Ungeheuer«, rief sie ihm zu, »weil du gar keine Vorzüge vor mir hast; oder nenne sie mir, wenn du solche zu haben glaubst; etwa die, daß du deinen Raub mit Krallen zerreißest und mit Zähnen zermalmest? Jedes andere feige Tier, wenn es mit einem Tapfern kämpft, tut dasselbe, es beißt und kratzt. Du sollst aber empfinden, daß ich stärker bin als du!« Mit diesen Worten flog sie in eines seiner Nasenlöcher und stach ihn so sehr, daß er sich vor Schmerz selbst zerfleischte und sich für überwunden erklärte.

Stolz auf diesen Sieg flog die Mücke davon, um ihn aller Welt auszuposaunen, übersah aber das Gewebe einer Spinne und verfing sich in demselben. Gierig umarmte die Spinne sie und sog ihr das Heldenblut aus. Sterbend empfand die Mücke ihre Nichtigkeit, indem sie, die Besiegerin des Löwen, einem so verächtlichen Tiere, einer Spinne, erliegen mußte.