Die Fledermaus von Aesop

Buchumschlag von Die Fledermaus von Aesop
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Land: Griechische

Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.

Genre: Fabeln

Sammlung: Aesopische Fabeln

In der Fabel »Die Fledermaus« von Äsop gerät eine Fledermaus zweimal in Lebensgefahr, weil ein Wiesel sie fressen möchte. Um sich zu retten, behauptet sie im ersten Fall, eine Maus und kein Vogel zu sein, und im zweiten Fall, ein Vogel und keine Maus. Durch ihre schnelle Anpassung und ihre klugen Worte entkommt sie beide Male dem Tod. Die Fabel zeigt, dass Klugheit und Flexibilität in schwierigen Situationen sehr hilfreich sein können. Gleichzeitig macht Äsop deutlich, dass manche Lebewesen ihre Identität je nach Vorteil verändern, um sich selbst zu retten.

Eine Fledermaus fiel in das Gras. Sofort stürzte ein Wiesel auf sie zu und wollte sie verspeisen.

»Ach!« piepste die Fledermaus in Todesangst. »Was willst du? – Was tust du? O lasse mich am Leben!«

»Ich kann nicht, ich hasse dich, weil ich alle Vögel hasse«, fauchte das Wiesel.

Die Fledermaus besann sich einen Augenblick.

»Ich bin doch kein Vogel; ich kann die Vögel nicht leiden; ich bin doch eine Maus!« beteuerte sie. – Da schenkte ihr das Wiesel das Leben.

Kurze Zeit nachher hatte die Fledermaus dasselbe Unglück.

Wieder war ein Wiesel daran, ihr den Hals durchzubeißen.

»Du sollst augenblicklich gefressen werden«, sagte es, »ich hasse alle Mäuse und dich auch!«

»Aber ich bin doch keine Maus, ich kann die Mäuse nicht leiden! Ich bin doch ein Vogel!« – beteuerte die Fledermaus.

»Was du nicht sagst –, entschuldige!« antwortete das Wiesel. Und die Fledermaus kam wirklich wieder mit dem Leben davon.