Die Schlange und der Landmann von Aesop

Ὄφις καὶ γεωργός

Buchumschlag von Die Schlange und der Landmann von Aesop
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Land: Griechische

Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.

Genre: Fabeln

Thema: Rache, Hass, Feindschaft, Verlust, Trauer, Schmerz, Vergeltung, Vergebung, Erinnerung, Schicksal, Konflikt, Familie, Leid, Moral, Schuld, Versöhnung, Warnung, Gerechtigkeit, Konsequenzen, Vertrauen, Bitterkeit, Unversöhnlichkeit, Emotionen, Tod, Menschlichkeit

Sammlung: Aesopische Fabeln

In der Fabel »Die Schlange und der Landmann« von Äsop tötet eine Schlange das Kind eines Landmannes und verursacht damit großes Leid. Der Vater versucht aus Rache, die Schlange zu erschlagen, verletzt jedoch nur ihren Unterschlupf. Später möchte er Frieden schließen, doch die Schlange lehnt dies ab, weil beide die erlittenen Verletzungen nicht vergessen können. Die Fabel zeigt, dass tiefer Hass und schweres Unrecht oft dauerhafte Wunden hinterlassen. Äsop macht deutlich, dass wahre Versöhnung kaum möglich ist, solange die Erinnerung an das erlittene Leid lebendig bleibt.

Eine Schlange, welche ihren Verschlupf im Vorhofe eines Landmannes hatte, tötete dessen kleines Kind, worüber die Eltern in tiefe Trauer gerieten. In seiner Betrübnis ergriff der Vater ein Beil und wollte die Schlange, sobald sie hervorkäme, totschlagen. Wie sie nun den Kopf ein wenig herausstreckte, wollte er schnell auf sie loshauen, allein er verfehlte sie und traf nur die Öffnung ihres Schlupfwinkels. Nachdem sich die Schlange wieder in ihr Loch zurückgezogen hatte, glaubte der Landmann, sie denke nicht mehr an die Beleidigung, nahm Brot und Salz und setzte es vor die Höhle. Die Schlange aber zischte ganz fein und sprach. »Nun und nimmer kann Zutrauen und Freundschaft zwischen uns bestehen, solange ich den Stein sehe und du das Grab deines Kindes.«

Die Fabel lehrt, daß niemand Haß und Rache vergißt, solange er ein Denkmal dessen, was ihn in Betrübnis versetzte, vor Augen hat.