Die Taube und die Krähe von Aesop

Buchumschlag von Die Taube und die Krähe von Aesop
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Land: Griechische

Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.

Genre: Fabeln

Sammlung: Aesopische Fabeln

In der Fabel »Die Taube und die Krähe« von Äsop prahlt eine Taube mit ihrer großen Nachkommenschaft und ihrem Familienglück. Eine Krähe weist sie jedoch darauf hin, dass viele Junge auch viel Sorge und Leid bedeuten, da zahlreiche Tauben den Menschen zum Opfer fallen. Dadurch wird die Taube daran erinnert, dass Freude und Kummer oft eng miteinander verbunden sind. Die Fabel zeigt, dass man nicht nur die angenehmen Seiten eines Vorteils betrachten sollte, sondern auch die damit verbundenen Belastungen. Äsop macht deutlich, dass jedes Glück seine Schattenseiten haben kann.

Eine Taube brüstete sich unter andern Vögeln mit ihrer Fruchtbarkeit: »Ich brüte«, sagte sie, »jährlich acht bis zwölf Junge aus, atze sie, lehre sie fressen und fliegen, fliege mit ihnen auf die Kornfelder und lebe froh mit Kindern, Enkeln und Urenkeln, während ihr andern Vögel kaum ein Paar aushecket!«

»Still!« sagte eine Krähe, die dies mit anhörte, »prahle doch ja nicht mit einem Gegenstand, der dir so unendlich viel Kummer und Leid verursacht! So viele Junge du hast, so viele Male hast du Trauer anzulegen. Kaum haben sie die ersten Federn, so sind sie auch schon auf den Tafeln der Menschen.«

So ist's im Leben: Kurze Freud, viel Leid und doch halten die Freuden unserem Gedächtnis länger nach.