Die weiße Dohle von Aesop

Buchumschlag von Die weiße Dohle von Aesop
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Land: Griechische

Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.

Genre: Fabeln

Sammlung: Aesopische Fabeln

In der Fabel »Die weiße Dohle« von Äsop beneidet eine Dohle die Tauben um ihr leichtes und bequemes Leben auf einem Bauernhof. Um selbst wie eine Taube behandelt zu werden, färbt sie ihr Gefieder weiß und mischt sich unter den Schwarm. Zunächst gelingt ihr die Täuschung, doch als sie ihre wahre Stimme hören lässt, wird sie von den Tauben verstoßen. Auch die anderen Dohlen akzeptieren sie nach ihrer Rückkehr nicht mehr, sodass sie schließlich heimatlos bleibt. Die Fabel zeigt, dass man seine eigene Natur nicht verleugnen sollte und dass der Wunsch, jemand anderes zu sein, oft zu Verlust und Einsamkeit führt.

Eine Dohle sah öfters zu, wie reichlich die Tauben auf einem Bauernhof gefuttert wurden. »Sie bekommen das Futter hingestreut«, dachte sie neidisch, »während ich es mühsam suchen muß. Ich will lieber eine Taube werden!«

Was tat sie nun? Sie bemalte sich weiß vom Kopf bis zum Fuß, glättete ihr Gefieder und mischte sich unter den Taubenschwarm. Vergnügt pickte sie die Körner auf. Die Tauben ließen sie ruhig gewähren, denn keine vermutete, daß dies ein fremder Vogel sei. So ging das einige Tage – bis die Dohle so unklug war, ihren Schnabel aufzutun und ihr Gekrächze hören zu lassen.

»Eine Dohle, eine verkleidete Dohle!« schrien die Tauben wütend, stürzten auf sie zu und hätten sie unbarmherzig totgebissen, wenn es ihr nicht gelungen wäre zu entfliehen.

Reumütig kehrte die Dohle zu ihrer Sippe zurück. Jedoch die andern Dohlen erkannten sie nicht mehr in ihrem weißen Kleide. Bösartig hackten sie auf den fremden Vogel los. Sie duldeten nicht, daß er unter ihnen lebte.

So wurde die weiße Dohle heimatlos und hatte es noch viel schwerer, sich ihre Nahrung zu suchen.