Zwei Freunde und ein Bär von Aesop

Buchumschlag von Zwei Freunde und ein Bär von Aesop
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Land: Griechische

Epoche: 6. Jahrhundert v. Chr.

Genre: Fabeln

Sammlung: Aesopische Fabeln

In der Fabel »Zwei Freunde und ein Bär« von Äsop versprechen sich zwei Freunde gegenseitige Treue und Unterstützung auf ihrer gemeinsamen Reise. Als ihnen plötzlich ein Bär begegnet, denkt jedoch einer nur an seine eigene Rettung und lässt seinen Gefährten allein zurück. Der verlassene Freund rettet sich mit Klugheit, indem er sich tot stellt, bis der Bär wieder verschwindet. Danach erkennt er, dass wahre Freundschaft sich erst in Zeiten der Gefahr und Not zeigt. Die Fabel macht deutlich, dass man Menschen meiden sollte, die ihre Freunde im entscheidenden Moment im Stich lassen.

Zwei Freunde gelobten sich gegenseitig, sich in allen Fällen treu beizustehen und Freud und Leid miteinander zu teilen. So traten sie ihre Wanderschaft an.

Unvermutet kam ihnen auf einem engen Waldwege ein Bär entgegen. Vereint hätten sie ihn vielleicht bezwungen. Da aber dem einen sein Leben zu lieb war, verließ er, ebenso bald vergessend, was er kurz vorher versprochen hatte, seinen Freund und kletterte auf einen Baum. Als sich der andere nun verlassen sah, hatte er kaum noch Zeit, sich platt auf den Boden zu werfen und sich tot zu stellen, weil er gehört hatte, daß der Bär keine Toten verzehre.

Der Bär kam nun herbei, beleckte dem Daliegenden die Ohren, warf ihn mit der Schnauze einige Male herum und trabte dann davon, weil er ihn für tot hielt.

Sobald die Gefahr vorüber war, stieg jener vom Baume herab und fragte seinen Gefährten voll Neugierde, was ihm der Bär zugeflüstert habe?

»Eine vortreffliche Warnung«, antwortete dieser, »nur schade, daß ich sie nicht früher gewußt habe.«

Man solle sich nicht mit Menschen einlassen, die ihre Freunde in der Not verlassen.